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Praeanalytik

Präanalytik

Exakte und effiziente Diagnosen von Hämostasestörungen setzen ein hochqualifiziertes und leistungsfähiges Gerinnungslaboratorium voraus. Ein derartiges Labor ist zwingend notwendig für eine optimale Diagnose sowie das therapeutische Management hämorrhagischer oder thrombotischer Erkrankungen. Es nimmt nicht nur teil an der Basisversorgung von Patienten, sondern betreibt auch umfangreiche Forschungen. Die im Gerinnungslaboratorium erforderlichen Analyte werden in der Diagnostik mit unterschiedlichen Indikationen zur Abklärung einzelner Krankheitszustände eingesetzt. Die verwendeten Testsysteme müssen imstande sein, sowohl verminderte als auch überschießende Aktivitäten einzelner oder mehrerer Komponenten des Hämostasesystems zu erkennen. Wichtig ist die Erkenntnis, daß besonders erworbene Hämostasestörungen hochkomplexe Entgleisungen der physiologischen Hämostase darstellen, die kaum jemals mit nur einigen wenigen Testen korrekt beschrieben, geschweige denn erkannt werden können. Es müssen daher immer die fördernden und hemmenden Mechanismen von Hämostase und Fibrinolyse untersucht und ins Verhältnis zueinander gesetzt werden. Ziel des vorliegenden Leistungsverzeichnisses soll es sein, die Bedeutung der einzelnen Testsysteme innerhalb eines Gesamtkonzeptes einer optimalen hämostaseologischen Diagnostik und fundierten Hämotherapie zu erläutern.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen für alle weiteren Fragen und ergänzende Informationen gerne zur Verfügung.

Bitte beachten Sie auch die Möglichkeit der telefonischen Beratung unter 0203/348336-0 oder unter den direkten 
Mobil-Konsil-Nr. der Ärzte des GZRR außerhalb der Praxiszeiten!

Dem einsendenden Arzt müssen die Probleme der praeanalytischen Phase von Gerinnungstesten voll bewußt sein. Ungewöhnliche und unplausible Ergebnisse in der Gerinnungsphysiologie sind in der Regel Ausdruck eines schlechten Probengewinnungs-Managements. Deswegen sei im folgenden die korrekte Probennahme und -lagerung, der korrekte Probentransport sowie die wichtigsten Fehler in der praeanalytischen Phase erläutert.

Nähere Infos zum Postversand von Gerinnungsproben siehe hier!

Gerinnungsphysiologische Analysen werden in der Regel aus citriertem Venenblut durchgeführt. In Ausnahmefällen kann alternativ auch citriertes arterielles Blut gewonnen werden. Zur Gewinnung einer Blutprobe für Gerinnungsanalysen muß eine eigene frische Venenpunktion mit weitlumiger Kanüle (vorzugsweise 20 G) durchgeführt werden. Hierzu wird am Oberarm ein Stau angelegt. Nachdem die Venen sich gut gefüllt darstellen, wird die Punktionsstelle mit einer Desinfektionslösung für 30 sec. keimarm gemacht.

Zur Vermeidung einer Kontamination der ersten gezogenen Blutprobe mit Gewebsthromboplastin empfiehlt es sich, ca. 2 ml Blut aus dem Blutentnahmesystem aufzusaugen und ggf. zu verwerfen oder zuerst ein Serumröhrchen abzunehmen, um dann mit der eigentlichen Blutentnahme für gerinnungsphysiologische Analysen zu beginnen.

Während der Blutentnahme ist unbedingt darauf zu achten, daß Schaumbildung unterbleibt und eine ausreichend schnelle Durchmischung des Venenbluts mit dem Antikoagulanz erfolgt. Andernfalls können abnorm kurze partielle Thromboplastinzeiten und erhöhte Konzentrationen an Fibrinmonomeren, Prothrombin-Fragment F1.2 und Fibrinspaltprodukten gefunden werden. Auch lassen sich aus aufgeschäumtem Blut keine Thrombozytenfunktionsteste durchführen.

 

Optimale Reihenfolge bei verschiedenen Blutentnahme-Medien:

1. Serum
2. falls notwendig: PFA-Röhrchen
3. Citrat 
4. EDTA

Proben für Gerinnungsanalysen sollten nach Möglichkeit nicht im Kühlschrank, sondern bei Raumtemperatur aufbewahrt werden bis zur Abholung oder Versendung.

Infos zum Postversand >> 

Bei Früh- und Neugeborenen sowie Säuglingen kann die Probengewinnung für Gerinnungsanalysen problematisch sein.

Unser Speziallabor ist aber in der Lage, auch aus kleinsten Blutproben noch eine sinnvolle Analytik durchzuführen.

Bitte fordern Sie auch unsere extra kleinen Probengefäße an.
Für weitere fachliche Rückfragen kontaktieren Sie bitte gerne Dr. Halimeh, Tel: 0173/6 98 95 72.

Es sei darauf hingewiesen, daß Untersuchungen an vitalen Thrombozyten nur an citratantikoagulierten Blutproben möglich sind, die nicht älter als 4 Stunden sein dürfen. Optimalerweise sollten sich die Patienten daher zur Blutentnahme in unserer Praxis einfinden. Es ist keine Bestimmung aus postversandten Proben diesbzgl. möglich!

Für die Bestimmung der in-vitro-Blutungszeit (PFA 100) werden spezielle gepufferte Citratröhrchen (türkis-farbene PFA-Monovette) benötigt, die Sie gerne über uns beziehen können. Anforderung Versandmaterial hier.

Bei Patienten von Intensivstationen ist häufig die Gewinnung von Blut für Gerinnungsanalysen durch frische Venenpunktion nicht möglich, so dass zur Blutentnahme zentralvenöse- oder arterielle Katheter dienen müssen.

Nach Möglichkeit sollte Blut nur aus solchen Kathetern gewonnen werden, durch die kein Heparin dem Patienten zugeführt wurde. Besteht jedoch keine andere Möglichkeit, als über einen heparinisierten Zugang Blutproben zu gewinnen, ist es erforderlich, beim Erwachsenen den Katheter mit mindestens 20 ml isotoner Kochsalzlösung vorzuspülen, 20 ml Blut zu entnehmen und zu verwerfen um dann erst die Proben für gerinnungsphysiologische Analysen zu gewinnen. 

Das sogenannte „Vorblut" kann dem Patienten nach der Blutentnahme zurückgegeben werden. 

Auf den Begleitpapieren ist in jedem Falle anzugeben, dass die Probe aus einem heparinisierten zentralvenösen Katheter gewonnen wurde.

Äußerts wichtig sind außerdem klinische Angaben in Stichworten sowie die aktuelle Medikation und ob bereits gerinnungshemmende Medikamente oder Blutprodukte bzw. Faktorenkonzentrate gegeben wurden. Nutzen Sie hierzu gerne die Ankreuzmöglichkeiten auf unserem Anforderungsschein.

Klinische Angaben sind daher extrem hilfreich, gerne kontaktieren Sie außerhalb der Sprechzeiten oder im Notfall direkt die Ärzte des GZRR auf den Mobil-Nr.

Blutproben, die hohe Restmengen an Heparin enthalten, erschweren in erheblicher Weise eine korrekte gerinnungsphysiologische Analytik. 

Deswegen verwenden wir Inhibitoren bzw. Enzyme, die das Heparin in der Blutprobe abbauen und somit einen Einblick in die „wahre Lage der Hämostase" ermöglichen. 
Hierzu sind Doppelaktiviätsbestimmungen der Gerinnungsfaktoren notwendig.

Bitte geben Sie daher immer die aktuelle Medikation des Patienten an, insbesondere wenn es sich um Antikoagulantien oder gerinnungsaktivierende Medikamente handelt. Nutzen Sie hierzu gerne die Ankreuzmöglichkeiten auf unserem Anforderungsschein.

Analyse bei Patienten 
unter Einnahme eines direkten Anti-Xa-Antagonisten (z.B. Rivaroxaban = Xarelto, Apixaban = Eliquis, Edoxaban = Lixiana)

Die Einnahme der o.g. Substanzen beeinflusst einige funktionelle Gerinnungsteste:

- Lupus-Antikoagulans: die Einnahme kann zu einem falsch positiven Ergebnis im Lupus-Antikoagulanstest führen

- Antikoagulatoren Protein C, Protein S und Antithrombin: Die Einnahme kann zu falsch hohen Aktivitäten dieser Prokoagulatoren führen in den Aktivitätstesten, ein hereditärer Mangel kann so der Diagnose entgehen. Aber: Antigenteste sind nicht betroffen, z.B. freies Protein S

- der Quick/INR-Wert und ggf. auch die PTT können beeinflusst werden, insbesonder bei Rivaroxaban

- daher: falls eine Thrombophilie-Diagnostik geplant ist, wäre eine Pause von 24 - 48 h je nach Medikament vor Blutentnahme hilfreich. Die Einnahme der letzten Tablette bitte mir Uhrzeit und Datum auf dem Anforderungsschein angeben.

- bei Spiegelbestimmungen (Anti-Xa) bitte auch letzte Einnahme angeben 

Analyse bei Patienten 
unter Einnahme eines direkten Thrombin-Inhibitors (Dabigatran-Etexilat = Pradaxa)

- die Einnahme eines Thrombininhibitors beeinflusst alle koagulometrischen Teste, v.a. aber die PTZ

- Spiegelbestimmungen sind möglich

- vor Thrombophilie-Diagnostik bitte mind. 48 h Pause der Medikation, bitte letzte Einnahme mit Datum und Uhrzeit auf dem Anforderungsschein angeben

 
Analyse bei Patienten 
unter Einnahme eines Vitamin-K-Antagonisten

Die Abklärung einer thrombophilen Diathese unter Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar®) ist ohne weiteres möglich. 
Die Antikoagulatoren Protein C und Protein S sind zwar wg. ihrer Vitamin-K-Abhängigkeit physiologisch vermindert unter Therapie mit einem Vitamin-K-Antagonisten.

Eine Thrombophilie-Diagnostik kann vom erfahrenen Untersucher trotzdem durchgeführt werden. Bitte geben Sie einfach die aktuelle Medikation des Patienten an.

 

Analyse bei Patienten 
unter Einnahme neuer Antikoagulantien

Bitte geben Sie immer die Dosierung des Antikoagulans an sowie die Uhrzeit der letzten Einnahme (Wirk- oder Talspiegelbestimmung).

Die neuen Antikoagulantien beeinflussen die Globaltest der Gerinnung:

- Rivaroxaban (Xarelto): Beeinflussung von Quick/INR und PTT

- Dabigatran-Etexilat (Pradaxa): Beeinflussung von PTT und PTZ

Zudem können andere gerinnungsabhängige Teste (z.B. Lupus-Antikoagulans, Einzelfaktorbestimmungen etc.) beeinflusst werden und es kann so zu falsch pathologischen Resultaten kommen!

Die Werte der meisten Gerinnungsfaktoren sowie auch anderer Gerinnungsproteine wie z.B. Antikoagulatoren ändern sich sofort ab Eintritt der Schwangerschaft stark und bleiben verändert bis ca. 6 Wochen postpartal.

Daher ist die Angabe der Schwangerschaftswoche zur ausführlichen Gerinnungsanalytik in der Schwangerschaft extrem wichtig, um eine richtige Beurteilung vornehmen zu können.

Ansteigende Normwerte in der Schwangerschaft finden sich v.a. für:

- Fibrinogen 

- Prothrombin (Faktor II) 

- Faktor VII

- Faktor VIII 

- von Willebrand-Faktor 

- Faktor XII

- Protein C 

- D-Dimere

- Prothrombinfragment 1.2

- ETP (endogenes Thrombinpotential)

Fallende Normwerte finden sich in der Schwangerschaft für

- Protein S